Der Zufall im Denken des Alten Israel und seine Deutungen in der hebräischen Bibel
DOI:
https://doi.org/10.82527/zthg.v24i1.205907Abstract
....Wir setzen uns in diesem Essay von verschiedenen Seiten her mit den
oben genannten Fragen auseinander: Zunächst geht es um eine Annäherung
an das Phänomen des Zufalls von der modernen naturwissenschaftlichen
Perspektive und ihren philosophischen bzw. systematisch-theologischen
Implikationen her. Bevor der Blick auf die Bibel bzw. das Alte
Testament fällt, werfen wir ein Schlaglicht auf die neuere exegetische Diskussion
um den sogenannten Tun-Ergehen-Zusammenhang und wie dieser
in den benachbarten Kulturen des Alten Israel, insbesondere Ägypten
und Mesopotamien, problematisiert wurde. Sodann werden, ausgehend
von zentralen Aussagen aus dem Buch Kohelet, unterschiedliche Texte aus
verschiedenen Bereichen der hebräischen Bibel gestreift, in denen das Zusammenwirken
von Ereignissen (teils explizit, teils implizit) beschrieben
wird, ohne dass von einem gezielten Eingreifen Gottes die Rede ist. Es wird
sich zeigen, welche offenen Spielräume es für die Verhältnisbestimmung
zwischen Gottes Wirken und menschlichem Handeln und Ergehen gab.
Diese Einsichten mögen dazu verhelfen, in aktuellen Debatten zur Rolle
des Zufalls Orientierung zu gewinnen.